Biographische Projekte. Künstlerische Erkundungen

Drittes Studienjahr Regie

jeweils 18 bis 23 Uhr
Probenzentrum K11, Kammererstraße 11
Vorstellungen auch einzeln besuchbar.

Termin

22.11.2018 | 18:00 Uhr | Probenzentrum K11, Kammererstraße 11

Eintritt: 8 Euro | 5 Euro (ermäßigt)
Beschränkte Platzzahl
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Vier Menschen, vier Räume, vier künstlerische Erkundungen, in denen die eigene Biographie die zentrale Rolle spielt: Der vorgeschriebene Text, das Drama, dem sie sich stellen, ist der Lebenslauf: Erinnerungsfragmente, Wunschvorstellungen, ein Mutterpaß, versteckte Briefe, eine Kiste ungeordneter Fotonegative. Was muss verborgen bleiben, damit etwas erzählenswert erscheint? Wie überhaupt lässt sich auf der Bühne von »Ich« sprechen, ohne dass das Publikum denkt, ein Anderer, eine Andere sei gemeint? Was ist dieses »Ich«, wenn sein Wesen wie Anspruch ist, jeweils anders zu erscheinen.

Noch immer wird die Identität mit Name, Körper und Herkunft begründet. Dabei ist unser Handeln und Wirken wesentlich bestimmt von unbewussten Strukturen, mehr oder weniger zufälligen Begegnungen, ungeplant hereinbrechenden Ereignissen. Ständig sind wir herausgefordert, unsere Selbstdarstellung zu optimieren, das Selbstbild den Ansprüchen des jeweiligen Umfelds anzupassen oder es gegen dieses zu behaupten. Das Selbst selbst ist nicht mehr als ein fragiles Konstrukt, das sich erst im Austausch mit den anderen konstituiert.

Der 3. Jahrgang Regie präsentiert vier theatrale Reflexionen über die Lust am Spiel mit den Identitäten und seine Grenzen: ein zentrales Theatermittel, das längst auch jenseits der Bühne zu einem heiß umkämpften Austragungsort gesellschaftlicher Debatten und politischer Ideologien geworden ist.

Künstlerische Begleitung: Björn Auftrag, Mentor: Christof Nel

Verlust
Regie: Benjamin Junghans

»So geht das jetzt immer weiter. Mit größeren und mit kleineren Verlusten«, wurde ich einst getröstet. Der Abschied, die Abwesenheit und die Leerstelle: Ist das der Ort, an dem ich mich entfalte? Liegt im Negativ der Verluste auch eine Freiheit, eine Lust und sogar die Liebe? Heute werde ich sie alle sammeln. Ich werde ihren Wert berechnen, einen Bon ausdrucken, die Summe der Differenzen ermitteln, die vorläufige Abrechnung meines Verlustgeschäfts.

Von und mit Benjamin Junghans | Dauer: ca. eine Stunde

Der Tag, an dem ich beschloss, in den Krieg zu ziehen – Versuch einer Selbstradikalisierung
Regie: Maximilian Pellert

Aufgewachsen im reichsten Teil der Welt, mit einem Haus, einem Garten, einem Kaninchen. Aus dieser privilegierten Position heraus reicht es nicht, auf Demonstrationen zu gehen und Petitionen zu unterschreiben. Es braucht in solch extremen Zeiten wie heute doch einen radikaleren Protest.
Aber was bin ich bereit zu opfern, um wirklich etwas zu bewegen und wo endet das alles?

Mit: Lukas Schädler | Kostüm: Paulina Gebhardt | Dramaturgie: Lorena Biemann | Dauer: ca. eine Stunde

Kammererstraße 11, 71636 Ludwigsburg, Raum 6 und Vorraum: bitte einzeln betreten
Regie: Rafael Ossami Saidy

Es tut mir leid, was damals geschehen ist. Ich hätte mich damals anders entscheiden sollen. Ich habe das nicht gedurft. Nein es tut mir nicht leid. Natürlich habe ich das gedurft. Ich hätte mich gar nicht anders entscheiden können. Ich würde mich nicht anders entscheiden wollen. Ich würde alles wieder genauso machen!

Performance: Rafael Ossami Saidy, Katharina Walther  | Konzeptionelle Mitarbeit: Lisa Mareike Poethke | Ausstattung: Cora Fauser | Dramaturgie: Maximilian Wahnelt | Dauer: 18h — 23h

Gebärneid
Regie: Zita Gustav Wende

Geburt Frau Zita Paragraf Zweihundertachtzehn und Neunzehn a Fehlgeburt Mutterschaft Clio I like you as you are Geschwister Interruptio Identität Lukrezia Leibesfrucht Maske Schwangerschaftsabbruch Babette Liebe Zuschreibungen Konzept Authentizität Biografie Juliane zwölfte Schwangerschaftswoche Fötus Papst Abort Selbstverantwortung Irmgard Schweigekultur Ehrlichkeit
»Das Resultat des Geschlechtsverkehrs ist im Allgemeinen das Kind.« Liebe – ohne unerwünschte Kinder 1914

Dramaturgie: Jan Pfannenstiel | Mit: Clara Palau y Herrero, Zita Wende | Dauer: ca. eine Stunde