»THE QUEER ART OF FAILURE« (UA)
12 bis 16 Uhr, Kunstgebäude am Schlossplatz, Stuttgart
Karten
Kunstmuseum Stuttgart (Kunstgebäude)
(inkludiert im Ticket zur Ausstellung »Das kalte Herz«)
Weitere Aufführung des Projekts
22. Oktober 2026
Elisabeth Schneider Stiftung Freiburg
Mit: Ensemble Aventure, Studierenden 2. Studienjahr Regie, Schauspiel und Dramaturgie
(ADK) und Motion Design FABW
Kompositionen von Eloain Hübner und Laure Martin Hiendl
Performances im Rahmen von »Das kalte Herz«, Ausstellung des Kunstmuseums Stuttgart. Im Rahmen von »Sommer in Stuttgart«




12 bis 14 Uhr
»THE QUEER ART OF FAILURE« (UA)
Uraufführungen von Eloain Hübner und Laure M. Hiendl
Performances
Musikalisches Programm
Malin Bång: palinode für verstärktes Ensemble (2013)
Love Carbin: Åter, nära für beliebige(s) Instrument(e) (2024)
Laure M. Hiendl: For Piano Trio für Viola, Violoncello und Klavier (2026, UA)
Eloain Lovis Hübner: doll*etudes für sechs Instrumente und Audiozuspielung (2026, UA)
Mitwirkende
Ensemble Aventure Phoebe Bognár, Ellen Fallowfield, Beltrán Gonzalez, Andrea Nagy, Akiko Okabe, Santiago Villar Martin, Katharina Schmauder
Student*innen ADK: Nina Brauch, Mathis Joa Braun, Elia Breitenmoser, Myriam Falterer, Paulina Ferrari, Mareike Gabrisch (Animationsinstitut), Cengiz Görür, Nemo Hansen, Matilda Kleemann, Lenka Löhmann, Olesia Mezhenska, Jana Riese, Lilly Rößler, Valentin Thier, Kevin Zimmer und Henrik Zuber
Ausgehend von J. Jack Halberstams Konzept des Scheiterns als queere, transformative Strategie versteht das Kooperationsprojekt Unvollkommenheit, Instabilität und Nicht-Linearität als künstlerische Methoden, die normativen Erwartungen an Meisterschaft, Fortschritt und Kohärenz widerstehen. Die Ausstellung »Das Kalte Herz« nimmt das gleichnamige Märchen von Wilhelm Hauff als Ausgangspunkt, um die Beziehung von Identität und sozialer Stellung zu reflektieren.
In Zusammenarbeit mit Studierenden der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg beleuchtet die Aufführung im Kontext der Ausstellung zeitgenössische Praktiken, in denen alle Künstler*innen medienübergreifend arbeiten — Elektronik, Video, Performance — und das Unfertige, das Provisorische und das Fragile umarmen: ein klanglich-performatives Feld, in dem Queerness zur Methode wird — durch Störung, Neukonfiguration und beharrliche Versuche, die scheitern, sich verschieben und neu entstehen.
Das Projekt findet im Rahmen der »Nomadischen Recherche«, ein Studienmodul und Projekt, in dem alle Studierenden ihre Unterrichtsfächer und Gegenstände verlassen, gemeinsam mit Dozent*innen aus anderen Künsten oder Wissenschaften in neue Welten eintauchen und gemeinsam praktische Arbeiten entwickeln.
Eine Kooperation der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg (ADK), des Kunstmuseums Stuttgart, des Ensemble Aventure/ Freiburg und Musik der Jahrhunderte in Zusammenarbeit mit dem Animationsinstitut der Filmakademie BW (FABW)
Die Kompositionen werden ermöglicht durch die Ernst von Siemens Musikstiftung
12 bis 14 Uhr
»THE QUEER ART OF FAILURE« (UA)
Nemo Hansen, Lenka Löhmann, Lilly Rößler Louis Hartmann
unsre wände sind so dünn wie haut
Willkommen zu dieser Séance.
Wir begrüßen alle Wesen und Energien, die heute bereit sind, mit uns in Kontakt zu treten.
Nehmen Sie Platz, setzen Sie sich die Kopfhörer auf, ziehen Sie eine Karte und begeben Sie sich mit uns auf die Suche nach der Stimme des Museums
Audiowalk für je eine Person
12 bis 14 Uhr
Miryam Falterer, Paulina Ferrari, Matilda Kleemann, Valentin Thier, Jana Riese
walking on eggshells
Aus einem formlosen Teig, aus einem untauglichen Körper macht man die Maschine, deren man bedarf; Schritt für Schritt hat man die Haltung zurechtgerichtet, bis ein kalkulierter Zwang jeden Körperteil durchzieht und bemeistert, den gesamten Körper zusammenhält und verfügbar macht und sich insgeheim bis in die Automatik der Gewohnheiten durchsetzt. Man hat also den Bauern vertrieben und ihm die Art gegeben.
Ab 13 Uhr
Raum mit der Installation von Julius Pristauz
Nina Brauch
Olesia Mezhenska
DIE SCHNECKE HAT IHR HAUS IMMER MIT DABEI
Tajisija Yarowa ist eine Orthopädistin aus Lwiw, die extrem detaillierte Prothesen baut, die so täuschend echt aussehen, dass sie ihren Träger*innen ein Stück normales Leben zurückgeben. Wir untersuchen, inspiriert von den Skulpturen des Künstlers Kader Attia, was es bedeutet, sich in seinem eigenen Körper und in der Welt zuhause zu fühlen.
Ab ca. 12.25 Uhr
Mathis Joa Braun, Kevin Zimmer, Henrik Zuber
um 10 im park
lass mal um 10 im park treffen
lass mal dahingehen wo diese matten sind
lass wrestlen oder so hab zu viel energy haha
lass mal näherkommen
lass mal
lass mal gehen
lass mich
lass mal um 10 im park treffen
12 Uhr | 12.25 Uhr | 12.55 Uhr | 13.35 Uhr
(jeweils im Anschluss an Musik)
Raum mit den Aikido-Matten
Elia Breitenmoser
Cengiz Görür
Wen tanzt Du?
Und wen willst Du tanzen?
ca. 12.40 Uhr
Raum mit dem Gedicht in pinker Neonschrift
Mareike Gabrisch
Sparringtag
Das Ensemble Aventure lädt zum entspannten Musik-Sparring ein! Doch welch Überraschung… eine Flöte taucht auf! Wie sollen sie sich verhalten??
– eine musikalische Performance über Sexismus im Kampfsport
Kuppelsaal

14 bis 16 Uhr
»Catwalk on Stones«
Performances
Levi Schafhauser
Felix Koch
Single Male Tear
Welche gesellschaftlichen Folgen hat es, wenn die Hälfte der Bevölkerung einfach nicht heulen kann?
Männlicher Konformitätsdruck führt zu emotionaler Verkümmerung. Dadurch geht ein grundlegender Regulations-mechanismus verloren – das Weinen.
Die Single Male Tear beschreibt ein popkulturelles Phänomen: Film-Helden vergießen eine einzelne dramatische Träne, danach wird die Welt gerettet. In der Realität führt die ungeweinte Träne zu Ver-einzelung und gesteigertem Aggressions-potential und kann in Gewaltexzessen enden. Diese Gewalt richtet sich in den meisten Fällen gegen Frauen und FLINTA*.
In ihrer zweistündigen Performance versuchen die beiden Performer zu weinen – unter Verwendung verschiedener Methoden. Dabei setzen sie sich auf ironische Weise mit Männlichkeiten auseinander und werfen gesellschaftspolitische Fragen auf.
Selina Schoeneberger
Mathis Joa Braun
L-O-V-E
Ausgehend von »Love Poem« von Tracey Emin erforscht die Performance »L-O-V-E« die Grenzen zwischen Nähe und Selbstverlust. Spiegel, Blicke, Stimmen und Körper eröffnen einen Raum, in dem Selbst- und Fremdwahrnehmung ständig ineinander übergehen. Ein sich wandelnder Klangteppich bewegt sich zwischen Harmonie und Dissonanz und macht die Ambivalenz menschlicher Beziehungen hörbar. Spielerisch entstehen Momente von Anziehung, Reibung und Abhängigkeit – als wäre die Möglichkeit einer toxischen Dynamik von Anfang an bereits im Raum. Die Performance lädt dazu ein, den eigenen Blick auf Beziehungen immer wieder neu zu hinterfragen.
Dauer: min. 30 Minuten
Frederik Krischer
Victoria Gieseler
24 Karat
Die Performance setzt sich mit den Themen Gier und Kälte auseinander. Dabei untersuchen wir unterschiedliche Facetten dieser Zustände und deren Wirkung auf das Äußere. Die zunehmende Anhäufung der Strasssteine fungiert als sichtbarer Prozess der Anreicherung und Transformation. Zwischen Verführung, Glamour, Distanz und Erstarrung entsteht ein Bild, das die Ambivalenz von Geld und materieller Akkumulation erfahrbar macht.
Dauer: ca. 1 Std.
Nemo Hansen
Alina Wessel
verkörpersprache
Woher hast du die Narbe an deinem Handrücken? Magst du deine Armhaare?
Gibt es eine Stelle, die du an dir besonders magst?
Zwei Körper begegnen sich und fertigen eine Karte an.
Sie erzählen sich gegenseitig ihre Geschichten und was es für sie bedeutet, etwas zu verkörpern.
Sie fragen sich, was sie eigentlich verkörpern.
Sie erforschen, was es bedeutet, andere an ihren intimen Gedanken und Unsicherheiten teilhaben zu lassen. Sie lernen sprechen. Sie lernen atmen.
Theresa Dobersberger
Alina Wessel
Wa(h)re Gefühle
Eine szenische Lesung nach dem Buch »Wa(h)re Gefühle« von Eva Illouz.
Was bedeutet Freundschaft im Kapitalismus? Was kostet eine Freundschaft?
In dieser Performance werden der Freundschaft gegenseitig die materialistischen wie immaterialistischen Komponenten in Rechnung gestellt. Immer abwechselnd werden ausgewählte Stellen aus dem Buch vorlesen, um dann gegenseitig aufzurechnen, wieviel Geld Freunde einander kosten und wie emotionaler Rat im Gegensatz zu einer Limo aus dem Supermarkt verrechnet wird.
Lea Wössner
»I am awake in the place where women die«
nach Jenny Holzers »Lustmord-Zyklus«
Lisbeth ist eine gute Ehefrau.
Lisbeth ist liebevoll, jung und voller Vergebung. Lisbeth ist eine besonders schöne Leiche.
Aber nicht mehr lange.
Schon bald wird sie wieder an der Seite ihres Ehemannes durchs Leben gehen.
Sie wird lächeln und winken.
Sie wird passend sein.
Wird sich passend gemacht haben.
Passend für ihn.

Die Komponist*innen
Für Eloain Lovis Hübner ist die zweckentfremdete Verwendung von Instrumenten gelebte Erfahrung. Ihre Arbeit fragt, was es bedeutet, Musikinstrumente und ihre Grammatik zu »queeren«. Während ihrer eigenen Geschlechtsangleichung hörten diese Fragen auf, theoretisch zu sein: Beim Umtrainieren ihrer Stimme fand sie sich in einer Praxis wieder, die trans Menschen kennen — das systematische Verweigern dessen, was »normaler« Klangeinsatz bedeuten soll, das Navigieren von Anspannung und Kontrollverlust. Scheitern. Weitermachen. Ihre neue Komposition für das Ensemble Aventure überträgt diese Erfahrung auf Instrumente, begleitet von aufgenommenen Klängen der Zärtlichkeit, Ermächtigung und stillen Auflehnung.
Laure M. Hiendls neue Kompositionen für Klaviertrio und Klarinette begreifen Scheitern nicht als Niederlage, sondern als produktiven Prozess. Digitale Sampling- Techniken werden in akustische Kammermusik übersetzt: Ein Fragment wird isoliert, wiederholt und verschoben, bis Kommunikation zusammenbricht — und dieser Zusammenbruch öffnet etwas Neues. Bedeutungen bleiben in Bewegung, und das Verweilen in einer einzigen Geste erzeugt eine andere Zeitlogik: eine, die alternative Weisen des Erlebens und Gestaltens von Zeit eröffnet. Malin Bangs palinode und Love Carbins Åter, nära vervollständigen das Programm — zwei Werke, die auf je eigene Weise denselben rastlosen Raum bewohnen: zwischen Versuch und Auflösung, zwischen Form und ihrer Verweigerung.